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ABOUT
ULLA KIMMIG

 „Die Geschichte des Menschen ist auch eine des Pferdes“

Die Fotografin und Fotojournalistin blickt zurück auf jahrzehntelange Erfahrung in der dokumentarischen Fotografie sowie der Realisation von Ausstellungen und Vernissagen. Ulla Kimmig bereiste die ganze Welt, besonders den Nahen und Mittleren Osten, der Iran wurde zum Fokus ihrer beruflichen Karriere. 2005 publizierte sie im Verlag Braus ihre Kollektion dokumentarischer Fotografie von ihren Arbeitsreisen in den Iran: „Iran. Stillstand oder Aufbruch“. Ulla Kimmig lebt in Jesteburg südlich von Hamburg und ist passionierte Reiterin. 2015 adoptierte sie in Kalifornien den Mustang Sugar Man, der Namensgeber ihrer mobilen Galerie ist.

 
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„Die Geschichte des Menschen ist auch eine des Pferdes“, sagt Reiterin Ulla Kimmig. Nach ihrer jahrzehntelangen Arbeit als Fotografin und Fotojournalistin wuchs diese Erkenntnis in der gebürtigen Baden-Badenerin in den letzten Jahren immer mehr heran. Ihr wichtigster Gefährte dabei: der Mustang Sugar Man.


In dem Leben von Ulla Kimmig haben Pferde schon seit sie zehn Jahre alt war ihren Platz, angefangen bei der Stallarbeit und dem Reitunterricht an der Iffezheimer Rennbahn und später mit ihrem ersten Galopprennpferd, dem sie nach der Karriere auf der Rennbahn eine zweite Karriere als Reitpferd ermöglicht. Ihren Beruf und ihre Leidenschaft vereinend, macht sich Ulla Kimmig 2014 auf den Weg in die unbarmherzige Hitze der Mojave-Wüste, die 230 Automeilen nordöstlich von Los Angeles liegt. Sie reist an mit einer analogen Großbildkamera, vielen Kassetten gefüllt mit Filmmaterial und einem Ziel: Herden wilder Mustangs zu beobachten. Denn diese werden im Rahmen eines Schutzprogramms der Vereinigten Staaten eingefangen, um sie zur Zähmung durch Cowboys und später zur Adoption freizugeben, da die Pferde andernfalls aufgrund von Überpopulation und den Folgen des Klimawandels in der Wildnis nicht mehr genug Nahrung finden.

 

DIE GESCHICHTE VON PFERD UND MENSCH

 

Der Anblick dieser verwilderten Pferde, ihre Intelligenz und Anmut, ihre ausdrucksstarke Kommunikation untereinander und mit dem Menschen lassen Ulla Kimmig sich zurückbesinnen auf die Geschichte von Pferden und Menschen. Wie bewusst ist es den Menschen, dass es die Pferde waren, die die ganze Zivilisation in die Moderne geführt haben? Dass es die Pferde waren, die bereitwillig einen beträchtlichen Teil ihrer Freiheit aufgaben, um im Kriege, im Bergbau, in der Landwirtschaft an der Seite des Menschen zu stehen? In diesem Augenblick unter der sengenden Sonne der Wüste Kaliforniens spürt Ulla Kimmig: Die bemerkenswerten Dienste der Pferde für den Menschen seit ihrer Domestizierung sollten um keinen Preis in Vergessenheit geraten. Sie sollten wieder wachgerufen werden in unser aller Bewusstsein. Die Idee für Wild Mustang – The Horse Gallery entsteht.


Eine würdevolle und aufrichtige Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Mensch und Pferd, will die Fotojournalistin fortan selbst erfahren. Denn am eigenen Leib wahrzunehmen, wie sich dieses wunderschöne Tier dem Menschen zuwendet und ihm Vertrauen schenkt, ist seit jeher ein großer Bestandteil der Faszination Pferd.

Ulla Kimmig entdeckt einen braunen Mustang inmitten einer eingefangenen Herde. Mit seinen vergleichsweise langen Beinen und athletischem Körperbau weckt „Sugar Man“, wie sie ihn später taufen wird, bei der Fotografin Erinnerungen an ihre Zeit im Galopprennsport in Baden-Baden. Seine Neugierde ist größer als seine Furcht, er nähert sich Ulla Kimmig ein wenig. Ein gutes Zeichen für die spätere Bereitschaft, mit der Reiterin zu einem Team zusammenwachsen zu können.

In der Wüstenstadt Norco, die auch als Pferdestadt bezeichnet wird, wird Sugar Man mithilfe eines Cowboys und einer Bereiterin domestiziert und angeritten. Einige Monate gehen ins Land, und Ulla Kimmig lässt ihren neuen vierbeinigen Gefährten nicht aus den Augen. Das Adoptionsprogramm sieht vor, dass Ulla Kimmig erst ein Jahr nach der Adoption tatsächliche Besitzerin von Sugar Man ist, vorher also auch nicht aus den USA abreisen kann. Doch es kommt anders. Zwischenmenschliche Verwerfungen mit dem Cowboy zwingen die Fotografin, eines Morgens mit gepackten Sachen, Hund Pippo und Mustang Sugar Man das Weite zu suchen. Es ist die erste und vielleicht prägendste Situation in der Beziehung zwischen Ulla Kimmig und ihrem Mustang. Auf einem der vielen städtischen Pferdetrails von Norco macht sich das Gespann an einem frühen Morgen im Januar auf den Weg zu einem neuen Stall. Überdimensionale Trucks donnern vorbei, die Nerven der erfahrenen Pferdefrau liegen blank. Es ist das erste Mal, dass sie mit ihm zusammen außerhalb des vertrauten Korral, wo Sugar Man gezähmt wurde, unterwegs ist. Doch er entscheidet sich dafür, Ulla Kimmig zu folgen.


Nach fast zwei Stunden Fußmarsch sind sie in Sicherheit im neuen Stall. Von dort aus bereitet die Fotografin den Transport des Mustangs nach Deutschland vor. Dort bezieht er seinen neuen Stall in Hamburg. Nun ist es an der Aufgabe von Ulla Kimmig, den einst wilden Mustang mit der domestizierten Pferdewelt hierzulande vertraut zu machen. Die täglichen Herausforderungen, vor die das „unsichtbare Band“, also gewissermaßen die Beziehung zwischen Sugar Man und „seinem Menschen“ Ulla Kimmig fortan gestellt werden, sind zahlreich. Über ihren Weg mit dem Braunen sagt sie: „Ich kannte die Arbeit mit Pferden. Aber bei Sugar Man musste ich feinnerviger als jemals zuvor herausfinden, was er anbietet und kann und an welcher Stelle das Vertrauen noch weiter wachsen muss. Eine Bindung mit dem Mustang darfst du nicht enttäuschen.“ Durch die Arbeit mit Sugar Man wächst das Interesse der Fotojournalistin, sich „neu zu erfinden“ und ihre Liebe zur Dokumentarfotografie mit einer tiefgründigen Recherche zum Thema „das Pferd im Dienste des Menschen“ zu verbinden. Nun hat die Idee Gestalt angenommen. Die Menschheitsgeschichte als eine Pferdegeschichte wird erfahrbar in Wild Mustang – The Horse Gallery, der mobilen Galerie von Ulla Kimmig.